the art of ballOOn-painting

by uwe kurz

Hermann Rorschach (1884 - 1922)

 

Hermann RorschachRorschach wurde 1884 in Zürich/Schweiz geboren. Sein Vater war Maler und Hermann zog die gleiche Karriere in Erwägung, bevor er sich für die Psychiatrie interessierte. Während seiner Kindheit beschäftigte er sich oft mit einem Spiel, das »Klecksographie« genannt wurde: ein Blatt Papier wird mit Tinte bekleckst, dieses wird zusammen gefaltet, so dass verschiedene Abbildungen entstehen. Aber er war nicht der erste, der dies tat; unter seinen berühmten Vorläufern finden sich u.a. Leonardo da Vinci und Justinus Kerner. Er beschäftigte sich so intensiv damit, dass seine Freunde ihn liebevoll »Klecks« nannten. Es würde sein Lebenswerk werden.
    Als er die Oberschule beendet hatte, konnte er sich nicht zwischen Medizin und Kunst entscheiden. Am Ende beschloss er, Medizin an der Universität zu studieren. Zusammen mit seinem Interesse an den Tintenklecksen, führte dies zu einer faszinierenden neuen Weise des Erforschens der menschlichen Psyche.

 

Es war eine faszinierende Zeit, Wissenschaften zu studieren. Freud entwickelte seine Psychoanalyse und Carl Jung wurde bekannt. Dieser Hintergrund führte Rorschach dazu, seine eigenen Ideen weiter zu erforschen.
    Zusammen mit einem Freund begann er, Schulkindern Tintenklecks-Bilder zu zeigen, sie beobachteten ihre Reaktionen und analysierten sie. Sie wollten sehen, ob künstlerisch begabte Kinder in der Deutung der Kleckse phantasiereicher waren. Leider sind die Resultate dieser Tests und die benutzten Tintenkleckse verschollen. Jedoch war dies der erste bedeutende Gebrauch von Tintenklecksen auf analytische Art und Weise.

 

Nachdem er 1912 seinen Doktortitel empfangen hatte, arbeitete er in Russland, bevor er von dort nach Zürich zurückging, um sich der Arbeit in psychiatrischen Krankenhäusern zu widmen. Er weitete seine Forschung aus und überprüfte dieses Mal 300 Patienten und 100 'normale' Leute. 1921 veröffentlichte er sein mittlerweile berühmtes Werk »Psychodiagnostik«. Es stellte seine Methoden vor und die Art, wie er Tintenkleckse dazu benutzte, das Unbewusste zu erforschen.
    Dieses Werk wird heutzutage als einer der großen Klassiker der Psychiatrie und Psychologie angesehen, aber Hermann Rorschach selbst hatte seinerzeit keinen Erfolg damit, da er Schwierigkeiten hatte, einen Verleger dafür zu finden und als es schließlich erschien, wurde es nicht wohlwollend aufgenommen.

 

Er bestand aus 10 Karten, auf jeder waren Tintenkleckse zu sehen. Fünf waren in Farbe, die restlichen in schwarzweiß. Jede Karte wurde gezeigt und der Prüfling gebeten, zu sagen, was er erkennt. Die Antworten wurden aufgezeichnet. Die Karten wurden ein zweites Mal gezeigt und der Proband erneut gebeten, alle vieldeutigen Antworten genauer zu erklären und zu beschreiben, welcher Teil des Tintenklecks-Bildes zu seiner Reaktion geführt hatte. Die Befragung beachtete somit auch das Sozialverhalten, z.B. ob die Probanden sich herausgefordert oder eingeschüchtert fühlten.
Die Tests wurden nach den folgenden Kriterien ausgewertet:

Psychologen und Psychiater in Europa und anderswo sahen bald die Tintenkleckse als nützliches Hilfsmittel an. Mit ihm konnten sie das Phantasieleben ihres Patienten erforschen, ohne direkt fragen zu müssen und die Zeit für eine Psychoanalyse verringern. Die wiederholte Prüfung konnte den Fortschritt und die Entwicklung eines Patienten belegen. Ebenso wurde der Test eingesetzt, um die Schwierigkeiten emotionaler Probleme der Klienten festzustellen.

 

Knapp ein Jahr, nachdem Rorschach seine Untersuchungen zum Abschluss gebracht hatte, klagte er über Schmerzen im Unterbauch. Er hatte einen entzündeten Blinddarm, begab sich jedoch nicht in Behandlung. Als er schließlich ins Krankenhaus eingeliefert wurde, aber es war zu spät. Trotz Operation starb er an Peritonitis (Bauchfellentzündung). Hermann Rorschach wurde nur 37 Jahre alt.

 

Quellen:
Ellenberger, H.: Das Leben und die Arbeit von Hermann Rorschach (Nachdruck Menningen 1954)
Rorschach, H.: Psychodiagnostik (Bern 1921)

 

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Der Zufall in der Kunst