the art of ballOOn-painting

by uwe kurz

Leonardo da Vinci (1452-1519)

 

Leonardo da Vinci Leonardo da Vinci wurde am 15.4.1452 in Vinci bei Empoli als unehelicher Sohn eines Notars geboren. Seine künstlerische Begabung entwickelte sich früh und sein Vater, bei dem er die Kindheit verbrachte, gab ihn bereits mit 15 Jahren zur Ausbildung in das Florentiner Atelier des Malers Andrea del Verrocchio, der damals großes Ansehen genoss. Schon in der Lehre interessierte sich Leonardo nicht nur für Malerei und Plastik, sondern ließ sich auch in technisch-mechanischen Künsten ausbilden.
   1472 wurde er als Meister in die Florentiner Malergilde aufgenommen, blieb aber noch weiter im Atelier Verrocchios, bis er sich 1477/78 in Florenz selbständig machte. Aus der Zeit bei Verrocchio blieb eine Landschaftszeichnung erhalten, datiert auf den 5.8.1473, die oft als die erste naturalistische Landschaftsdarstellung in der Kunst angesehen wird, und ein kniender Engel auf Verrocchios Bild »Taufe Christi«.
   Bis 1482, in der so genannten ersten Florentiner Phase, entstanden noch die »Madonna mit der Nelke«; (um 1475), zwei »Verkündigungen an Maria« (um 1473 und 1476-1478), die »Madonna Benois« (um 1478-1480), der unvollendete »Heilige Hieronymus« (um 1480), die ebenfalls unvollendete »Anbetung der Könige« (ab 1481) und das Porträt der »Ginevra Benci« (um 1478). Schon diese Frühwerke dokumentieren Leonardos eigene Formengestaltung und seine künstlerischen Ziele: er vermied starke Licht- und Schatten-Kontraste und gelangte zu einer feinen Abstufung des Lichtes.
   Eine Vielzahl von architektonischen und technischen Zeichnungen aus der Florentiner Zeit beweisen Leonardos zahlreiche Interessen. 1481 bewarb sich Leonardo hauptsächlich als Militäringenieur und Architekt bei Ludovico il Moro, dem Regenten von Mailand, und wurde an seinen Hof berufen. Er blieb bis 1499 in Mailand und brachte hier seine künstlerischen und technischen Fähigkeiten zur vollen Entfaltung.
    Zunächst sollte er sich mit einem monumentalen bronzenen Reiterstandbild für Francesco Sforza, den Begründer der Dynastie, beschäftigen. Leonardo widmete sich zwölf Jahre mit Unterbrechungen dieser Aufgabe. Eine Vielzahl an Studien und Skizzenbüchern bezeugen den Entwurf für eine Skulptur von enormen Ausmaßen: allein das Pferd sollte 5 m hoch sein. Die drohende Kriegsgefahr mit Frankreich und der Sturz der Sforza im Jahr 1499 machte das Projekt zunichte.
   Das architektonische Werk Leonardos blieb theoretisch. 1488 entstand eine Federzeichnung zum Wettbewerb für die Vierungskuppel des Mailänder Doms, für den er auch ein Modell lieferte. Weitere Zentralbauten entwarf er 1490 in einer »Zentralbaustudie«, die sich heute in Mailand in der Biblioteca Ambrosiana befindet und die frühesten Beispiele von perspektivisch gezeichnetem Schnitt und Grundriss darstellen. Damit wurde Leonardo zum Begründer der modernen wissenschaftlichen Illustration.
   Daneben geht aus vielen zeitgenössischen Berichten hervor, dass er Dekorationsarbeiten, Bühnenentwürfe und Kostümskizzen für den Mailänder Hof fertigte. Am 25. April 1498 erhielt Leonardo von der Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis den Auftrag, ein Gemälde für den Hochaltar in S. Francesco il Grande in Mailand zu entwerfen. Vom Mittelteil des Altars, der »Felsgrottenmadonna«, existieren zwei Fassungen: die eigenhändige Fassung Leonardos von 1483-86, heute im Louvre in Paris und eine zweite von 1503-06 in der National Gallery in London, die im Wesentlichen von den Brüdern de Predis nach Entwürfen Leonardos gemalt wurde. Die erste Fassung dokumentiert Leonardos berühmtes »Sfumato« - duftige, verschwimmende Umrisse in einer feinen Abstufung von Hell und Dunkel ohne starke Kontraste - und gilt noch heute als das reinste Gemälde Leonardos mit dem größten Reichtum an künstlerischen Ausdrucksmitteln. Zwei weitere Werke, die Leonardos Funktion als Hofporträtist bescheinigen, sind die »Dame mit dem Hermelin«, um 1484-1488, eine Geliebte Ludovicos, und das »Porträt eines Musikers«, um 1490.
   Ein weiterer Höhepunkt in Leonardos Schaffen ist das berühmte »Abendmahl« im Refektorium von S. Maria delle Grazie in Mailand, das 1498 vollendet war. Bereits nach zwanzig Jahren war das Gemälde stark beschädigt, da sich die Technik - Tempera auf trockenem Putz - nicht bewährte. Nach langer Vernachlässigung wurde das Werk bis in die jüngste Zeit immer wieder restauriert, um dem vollständigen Verfall Einhalt zu gebieten. Trotzdem gilt das Abendmahl auch heute noch als klassisches Beispiel vollkommener Kunst, das besonders durch die neuartige Gegenüberstellung von Christus und den Jüngern sowie durch die perspektivische Einordnung in den Raum lebt.
    Bereits in der ersten Florentiner Zeit hatte sich Leonardo intensiv und systematisch wissenschaftlichen Studien gewidmet, die er in Merkbüchern und Aufzeichnungen - alle in der für den Linkshänder geläufigen Spiegelschrift - niederlegte. In Mailand intensivierte er diese Studien und beschäftigte sich u.a. mit Verkehr, Wasserbau und Kanalsystemen. Daneben begann er mit wissenschaftlichen Studien zur Anatomie, Optik und Mechanik, die er in Traktaten niederlegte, aber oft Fragment blieben.
   Als die Franzosen 1499 Mailand einnahmen, verließ Leonardo die Stadt. Er hielt sich kurz in Mantua auf, wo er um 1500 ein Porträt der »Isabella d’Este« malte, das heute im Louvre hängt. Über Venedig kehrte er am 14. April 1500 nach Florenz zurück, wo seine produktivste Schaffensperiode begann. Zunächst beschäftigte er sich ab 1501 mit dem Karton für das Bild »Die Heilige Anna Selbdritt«, das sich heute im Louvre in Paris befindet. Leonardo vollendete das Gemälde erst 1508-11 in Mailand.
   In den Jahren 1502-03 reiste und arbeitete er für den päpstlichen Condottiere Cesare Borgia und später auch für die Florentiner als Festungsinspizient und kriegstechnischer Ratgeber. Dabei entstanden topografische Studien und Landkarten der Toskana, die als Erstleistungen der modernen Kartographie gelten. Daneben stellte er Berechnungen zur Trockenlegung von Sümpfen an. Im Oktober 1503 begann Leonardo mit dem Karton zum Wandgemälde »Die Schlacht von Anghiari«, das er im Auftrag der Signoria für die Sala del Gran Consiglio im Palazzo Vecchio malen sollte. Der Karton und das nicht ausgeführte Fresko sind nicht erhalten, Teile des Kartons sind aber durch Nachzeichnungen u.a. von Peter Paul Rubens bekannt.
   Zur gleichen Zeit, um 1503-06, begann Leonardo mit dem Gemälde der »Mona Lisa«. Sie ist heute Anziehungspunkt im Louvre in Paris und gilt als der Idealtyp des Porträts, bei dem Abbild und Sinnhaftes einer Person eine ideale Synthese bilden. Das Porträt, besonders aber das berühmte distanzierte, rätselhafte Lächeln der Gioconda (Mona Lisa war die zweite Frau des Florentiner Edelmanns Francesco del Giocondo, daher der Beiname »La Gioconda«) inspirierte bis ins 20. Jahrhundert Künstler zu einer bildnerischen Stellungnahme.
   Das Bild der »Leda mit dem Schwan«, um 1504-08, ist nur in Vorzeichnungen und Kopien überliefert, gilt aber als besonderes Beispiel für die »figura serpentinata«- einer sich aus mehreren ineinander übergehenden Ansichten aufbauenden Standfigur. 
   Leonardo widmete sich neben dem künstlerischen mehr und mehr den wissenschaftlichen Aufgaben. Er sezierte systematisch Leichen im Krankenhaus S. Maria Nuova und begann mit einem großen Traktat über den Bau des menschlichen Körpers, den er in anatomischen Zeichnungen darstellte. Untersuchungen über den Vogelflug brachten ihn zu Flugexperimenten und er versuchte die Strömungsgesetze des Wassers zu erforschen.
   1506 kehrte Leonardo nach Mailand zurück, wo er bis 1517 - mit Unterbrechungen 1507 und 1508 in Florenz - als Berater des französischen Statthalters Charles d’Amboise arbeitete. Seine Forschungen zur Anatomie, Botanik, Geologie und Perspektive setzte er fort. Daneben entwarf Leonardo eine Villenresidenz mit Gartenanlage und fertigte Zeichnungen für das Grabmal des Feldherrn Giangiacomo Trivulzio, das, wie das Sforza-Monument, nicht ausgeführt wurde.
   1513 verließ Leonardo mit Freunden und Schülern Mailand. Er ging nach Rom in der Hoffnung auf größere Aufträge, die er von seinem Gönner Kardinal Giuliano de Medici, einem Bruder des Papstes Leo X., erwartete. Die Aufträge blieben aber aus. Leonardo konnte sich gegen die Konkurrenz von Michelangelo und Raffael nicht durchsetzen. Hier entstand wohl Leonardos letztes Gemälde, der »Heilige Johannes der Täufer«, um 1513-1516, heute im Louvre in Paris, mit dem er von der klassischen Auffassung des Bildmotivs abwich. Besonders das androgyne Aussehen und das dekadente Lächeln in der Person des Vorläufers Christi provozierte und irritierte die Betrachter. 
   Leonardo vertiefte sich enttäuscht in wissenschaftliche Studien und nahm schließlich 1517 die Einladung des Königs Franz I an, nach Frankreich zu kommen. Er verließ Italien für immer und lebte bis zu seinem Tod mit seinem Freund und Chronisten Francesco Melzi im Landschlösschen Cloux bei Amboise. Künstlerisch sind aus dieser Zeit noch der Entwurf für ein Schloss der Königinmutter bezeugt, der nicht ausgeführt wurde, aber entscheidenden Einfluss auf den Bau von Schloss Chambord nahm.
   In der Hauptsache widmete sich Leonardo in Frankreich der Ordnung seiner wissenschaftlichen Arbeiten, die im Laufe seines Lebens einen enormen Umfang erreicht hatten und für die kommenden Zeiten viele neue Erkenntnisse brachten. Leonardo fand als Erster die richtige Erklärung der Kräfte auf der schiefen Ebene, entdeckte die Bewegungs- und Hebelgesetze, bewies die Unmöglichkeit des Perpetuum mobile und erklärte die Brandung aus der Interferenz von Wasserwellen. Er erkannte die Gesetze der Reflexion der Wärmestrahlen, beobachtete die wellenförmige Ausbreitung der Tonschwingungen und erklärte die Umkehrung des natürlichen Bildes im menschlichen Auge. Er konstruierte Flugapparate und erfand eine Tuchschermaschine, eine Feilenhaumaschine, eine Maschine zur Nadelfabrikation, eine Taucherglocke, den Fallschirm, den Stechheber, Druckpumpen, Schrauben, Drehbänke, Brennspiegel, Kriegsmaschinen und eine automatische Spinnmaschine.
   Seine anatomischen Studien entwickelte er weiter zu einer Physiologie, einer Lehre von den im menschlichen Organismus wirkenden Kräften der Natur. Leonardo gewann die Erkenntnis, dass nicht nur im menschlichen Körper, sondern auch im Kosmos mechanische Urgesetze wirken. Die Auswirkungen dieser unsichtbaren Kräfte setzte er in rationale Zeichnungen um, in dem er die Natur in Kraftlinien und die Materie in Atome auflöste. Aus heutiger Sicht wirken die Zeichnungen wie die Darstellung von Magnetlinien.
   Am auffälligsten aus dieser letzten Schaffensperiode sind neben einem "Selbstbildnis" von 1512-1515 seine »Sintflutblätter«, die sich heute in Windsor Castle in der Königlichen Sammlung befinden. Es handelt sich um eine Serie von Zeichnungen, die den Untergang der Welt zum Thema haben. In ihnen unterliegen auch unsichtbare zerstörerische Gewalten, deren Auswirkungen er sichtbar macht, bei der Zerstörung der Welt noch den gleichen Gesetzen der Harmonie wie bei deren Erschaffung.
   Leonardo da Vinci starb am 2. Mai 1519. Er wurde im Kreuzgang der Kirche St.-Florentin auf dem Schlossberg von Amboise bestattet. Sein Grab wurde beim Abbruch der Kirche 1808 zerstört.

 

Referenz: wissen.de

 

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